Mittwoch, 24. Juli 2013

Heute in der Lunch-Time-Orgel

Heute spielte Joachim Weller für uns die Lunch-Time-Orgel. Er ist Student an der Kölner Musikhochschule und hatte heute Mittag eine ansprechende orgelmusikalische Mischung aus Barockem und Romantischem für uns vorbereitet:

Eugène Gigout (1844-1925)
Grand Choeur Dialogué

Marcel Dupré (1886-1971)
aus 6 Magnificat-Versetten op. 18
Versett 1

J. S. Bach (1685-1750)
aus Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564
- Toccata

Charles-Marie Widor (1844-1937)
aus Symphonie Nr. 5 in f-moll op. 42 Nr. 1
2. Satz: Allegro cantabile
1. Satz: Allegro vivace


Der Grand Choeur Dialogué von Gigout ist eines meiner Lieblingsorgelstücke und es war toll, dieses heute wieder mal „live und in Farbe“ hören zu können. Ein wirklich großartiges Stück mit einem markant-rhythmischen, fanfarenartigen Thema, bei dem die große Orgel alles geben kann (und muss), was in ihr steckt!

Nach einem ruhigen Satz von Dupré, der mit einer wahrhaft schillernden Chromatik „gewürzt“ war, gab es aus der berühmten Trias Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 heute „nur“ die einleitende Toccata zu hören (sonst wäre das Programm wohl etwas zu lange geworden). Unser Organist spielte das Stück sehr leichtfüßig und flott (mit einer betont hell und silbrig klingenden Registrierung) – ich kenne eine Reihe von Interpretationen, die hier bedeutend dramatischer und gravitätischer vorgehen. Wie fast immer bei Bach erlauben seine Kompositionen sowohl die eine wie auch die andere Herangehensweise – das Ergebnis klingt eigentlich immer überzeugend.

Zum Schluss gab es dann noch zwei Sätze aus der berühmten 5. Orgelsymphonie von Widor (für das gesamte Werk reichte wiederum leider die übliche Konzertdauer nicht aus… *seufz*). Unkonventionellerweise erklang zunächst der zweite und danach der erste Satz dieser Orgelsymphonie – vermutlich, um uns Zuhörern zum Ende des Konzerts einen „kraftvollen Rausschmeißer“ bieten zu können. So endete diese ausgesprochen gelungene halbe Stunde ganz ähnlich, wie sie begonnen hatte – mit einem rhythmisch stark akzentuierten, markanten Satz aus der französischen Orgelromantik.

Samstag, 20. Juli 2013

Ein Abend in der Oper - "Il trittico" in Köln

Der Eindruck sollte nicht täuschen: Die Vorstellung, von der ich hier berichten möchte, habe ich bereits am 17. Mai (!) in der Kölner Oper am Dom besucht – eigentlich wollte ich ein persönliches Resümee der soeben (mit Beginn der Sommerferien in NRW) abgelaufenen Spielzeit 2012/13 verfassen und habe aus dem Grund hier im Blog mal eben nachgesehen, was ich über die verschiedenen in dieser Spielzeit besuchten Opernaufführungen so geschrieben hatte, da fiel mir auf, dass ich offenbar total vergessen habe, meinen Bericht über Il trittico hier einzustellen, obwohl ich ihn bereits wie üblich wenige Tage nach dem Vorstellungsbesuch geschrieben hatte…
Ich glaube, ich werde alt und schusselig – sowas ist mir auch noch nicht passiert.
Naja, besser spät als gar nicht gibt es daher hier und jetzt zunächst noch den Bericht über die Vorstellung vom 17. Mai zu lesen (wäre ja schade drum, wenn ich das Ganze völlig umsonst getippt hätte):

Es gibt sicher Opern von Giacomo Puccini (1858-1924), die noch seltener gespielt werden als der aus drei voneinander zumindest vordergründig völlig unabhängigen Kurzopern bestehende Il trittico (also Das Triptychon, was sich auf die Dreiteiligkeit dieser „Opernkollektion“ bezieht) – aber an die Beliebtheit und Allgegenwärtigkeit anderer Puccini-Klassiker wie La Bohème, Madame Butterfly oder Tosca kommt dieses in dieser Art ziemlich einzigartige Kurzopern-Konglomerat, das als Puccinis vorletztes Opernprojekt am 14. Dezember 1918 an der Metropolitan Opera in New York seine Uraufführung erlebte, dann doch bei Weitem nicht heran.

Im Rahmen meiner bisherigen „Karriere“ als Opernliebhaber hatte ich Il trittico zuvor erst ein Mal auf der Bühne gesehen – interessanterweise ebenfalls im Kölner Opernhaus und zwar im Dezember 1999!
Das dürfte damals eine meiner ersten Vorstellungen gewesen sein, die ich überhaupt in der Kölner Oper besucht habe (davor war ich meistens im Bonner Opernhaus anzutreffen) und zwischen der damaligen und der aktuellen Neuinszenierung von Il trittico dürfte es in Köln meines Wissens auch keine weiteren Aufführungen dieser Oper gegeben haben – für eine nicht so häufig gespielte Oper (die sicherlich nicht zum „Kernrepertoire“ einer Opernbühne gehört) ist das somit eigentlich gar kein so schlechter Schnitt! Somit fand ich einen Vergleich meiner damaligen mit den ganz frischen Eindrücken natürlich besonders interessant.

Wenn ich von „Kurzoper“ spreche, dann meine ich damit ein Musiktheaterstück, das – alleine aufgeführt – nicht abendfüllend (das ist übrigens ein schönes Wort, wie ich finde!) wäre, also in der Regel eine Aufführungsdauer von etwa einer Stunde (mehr oder weniger) hat.
Hiervon gibt es tatsächlich mehr Opern, als man zunächst meinen sollte – so ziemlich jeder Komponist, der Opern komponiert hat, hat auch mal eine Kurzoper geschrieben. Die Gründe für die Entstehung solcher Werke sind verschieden, oft jedoch durch besondere Umstände ihrer Uraufführung bedingt – beispielsweise war eine solche Oper für kleinere (manchmal auch aus ambitionierten Laien bestehende) Ensembles bestimmt oder lediglich Teil einer größeren Festivität, in deren Verlauf noch weitere Aufführungen oder sonstige Programmpunkte vorgesehen waren. Vielleicht war es aber oft auch einfach der Reiz und die künstlerische Herausforderung, sich in einer Kurzoper deutlich kompakter, prägnanter und knapper fassen zu müssen, als bei einer drei- oder vierstündigen Oper. Viele Autoren haben ja auch lieber Kurzgeschichten als Romane verfasst.
Die beiden bekanntesten Kurzopern der Musikgeschichte dürften wohl Cavalleria rusticana (UA 1890) von Pietro Mascagni (1863-1945) und Pagliacci (UA 1892) von Ruggero Leoncavallo (1857-1919) sein – und da sich wohl jedes Opernhaus, das plant, eine oder mehrere Kurzopern ins Programm zu nehmen, die entscheidende Frage nach einer sinnvollen Kombination mehrerer dieser Werke stellen muss, um einen ganzen Abend ausfüllen zu können, dürfte die Dankbarkeit wohl groß sein, dass sich gerade diese beiden Stücke so perfekt miteinander kombinieren lassen: Handlung, Musikstil, Spieldauer, zeitliche Nähe der Entstehung beider Kompositionen, das passt alles ziemlich perfekt zusammen, sodass aus Cavalleria rusticana und Pagliacci im Laufe der Zeit so etwas wie „siamesische Opernzwillinge“ geworden sind, die – meines Wissens vor allem in den USA – bereits unter dem knackigen Markentitel Cav and Pag firmieren und trotzdem weiß jeder, was damit gemeint ist.

Puccini umging diese Problematik elegant, indem er gleich drei jeweils gut einstündige Kurzopern Il tabarro („Der Mantel“), Suor Angelica („Schwester Angelica“) und Gianni Schicchi komponierte (ein Projekt, das er wohl länger schon geplant hatte) und diese unter dem Übertitel Il trittico zu einem dreiteiligen Opernabend zusammenfasste. Diese vom Komponisten von Anfang so vorgesehene Koppelung ist allerdings – wie ich gelesen habe – nicht immer konsequent beibehalten worden. Gerne hat man immer wieder mal vor allem wohl Il tabarro und Gianni Schicchi jeweils in Kombination mit Kurzopern anderer Komponisten aufgeführt – ich finde allerdings die vom Komponisten intendierte Gesamtaufführung aller drei Opern hintereinander an einem Abend durchaus sinnvoll (und damit am optimalsten), da diese drei zunächst so unterschiedlichen Opern (Il tabarro ist ein leidenschaftliches Eifersuchtsdrama im Verismo-Stil, Suor Angelica ein fast schon kammermusikalisch anmutendes, lyrisches Melodrama und Gianni Schicchi eine bitterböse und turbulente Komödie) doch mehr verbindet, als man meinen sollte.

Genau diesen roten Faden aufzuzeigen, der sich durch alle drei Opern zieht, ist natürlich Aufgabe und Herausforderung des Regisseurs, der Il trittico auf die Bühne bringen soll. In Köln hatte man diese Aufgabe nun gleich drei Regisseurinnen übertragen: Sabine Hartmannshenn inszenierte Il tabarro, Eva-Maria Höckmayr die Suor Angelica und Gabriele Rech schließlich Gianni Schicchi. Allerdings musste man nicht befürchten, dass die gerade zuvor beschriebene Suche nach den verbindenden Elementen dieser drei Opern hierdurch gleich wieder auf der Strecke blieb: Allein schon die Tatsache, dass man alle drei Stücke auf derselben großen, in drei Ebenen geteilten Bühne spielen ließ (wobei in Il tabarro allerdings die oberste Bühnenebene nicht benötigt wurde), stiftete dann doch gleich wieder einen verbindenden (äußeren) Rahmen.
Die Bühne wurde jeweils unter Zuhilfenahme einiger Seiten-, Trenn- und Rückwände für die Bedürfnisse der einzelnen Stücke so sinnfällig wie fantasievoll in kürzester Zeit umgebaut und fungierte so als Lastkahn (nebst Unterdeck und angrenzenden Gebäuden am Ufer) im ersten Stück, dann als Kloster und abschließend als geräumige Villa des verstorbenen Buoso Donati.

Thematisch beschäftigen sich alle drei Stücke mit unterschiedlichen Reaktionen auf die Allgegenwärtigkeit des Todes und die hieraus jeweils folgenden Konsequenzen für die Zurückbleibenden. Auch dies ein stückeübergreifender roter Faden, der auch im Programmheft nochmals ausdrücklich hervorgehoben wurde.

Die Kostüme der Inszenierung(en) waren in einem relativ neutralen Stil gehalten (den ich modisch grob auf die Mitte des 20. Jahrhunderts veranschlagen würde) und changierten irgendwo zwischen den 1920er Jahren in Il tabarro und den 1950er Jahren in Gianni Schicchi.

Alles in allem traf also wieder mal das zu, was ich in solchen Fällen oft über eine Inszenierung sagen kann: Sie störte nicht großartig und lenkte damit auch nicht weiter von den Sängerinnen und Sängern und der Musik ab – und das ist für mich eigentlich das Wichtigste an einem Opernabend (jedoch beim heutigen Regietheater leider nicht immer selbstverständlich)!

Ok – die ein oder andere für mich etwas enttäuschende (weil nicht wirklich verständliche) Szene gab es dann doch, aber für einen mehr als vierstündigen Opernabend (mit immerhin zwei knapp halbstündigen Pausen) kann ich mich in summa wirklich nicht beklagen.
Warum man allerdings in Il tabarro die titelgebende Schlüsselszene dermaßen verhunzte (statt dass der ertappte Liebhaber vom eifersüchtigen Ehemann erstochen und dessen Leiche dann – bedeckt von dessen weitem Schiffermantel – der hinzukommenden Gattin höhnisch präsentiert wird, schien es so, als würde diese – absichtlich oder unabsichtlich? – ihren vor den Drohungen des Ehemanns fliehenden Liebhaber in das rätselhafterweise von ihr gehaltene Messer laufen lassen, woraufhin es natürlich völlig überflüssig geworden war, die Leiche unter dem Mantel zu verbergen?!?) oder in Suor Angelica neben den traditionell gewandeten Nonnen auch noch welche in scharlachroten Gewändern auftreten ließ, ohne dass deren Funktion im Verlauf des Stücks wirklich klar wurde (ebensowenig wie die Tatsache, dass ausgerechnet die Äbtissin des Klosters im prächtigen Gewand der Jungfrau Maria auftrat - einer Figur, die Angelica eigentlich nur in ihren Visionen erscheint) – das waren alles schon Dinge, die beim Zuschauer das ein oder andere Fragezeichen hinterließen, aber sei’s drum: Gestört hat die Inszenierung wie schon erwähnt den positiven Gesamteindruck des Abends nicht wirklich!

Und damit kommen wir zum wirklich durchweg positiven musikalischen Aspekt dieser Aufführung – und dies sollte bei einem Opernabend ja auch immer das Allerwichtigste sein!
Das Gürzenich Orchester unter der Leitung von Will Humburg spielte einen wunderbar intensiven, aber nie zu dick aufgetragenen Puccini-Sound, Chor und Statisterie der Oper Köln fügten sich hierzu passend ein und unter den zahlreichen, allesamt wirklich hervorragend aufgelegten Solistinnen und Solisten fanden sich erfreulich viele Mitglieder des Kölner Opernensembles!

Allen voran wäre hier die vielseitige Dalia Schaechter zu nennen, die als Einzige in allen drei Stücken auftrat und ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen konnte.
Auch Scott Hendricks, der als eifersüchtiger Michele in Il tabarro und in der Titelrolle in Gianni Schicchi immerhin zwei Hauptrollen an diesem Abend zu übernehmen hatte, überzeugte neben schauspielerischem Talent mit großer stimmlicher Flexibilität und Gestaltungswillen – es machte gleichermaßen Spaß, ihm zuzusehen wie ihm zuzuhören (vor allem natürlich als schlitzohriger Gauner Gianni Schicchi)!
Positiv aufgefallen sind mir auch Asmik Grigorian als Giorgetta in Il tabarro, Jeongki Cho als Rinuccio mit schönem Tenor sowie Gloria Rehm als Lauretta (beide in Gianni Schicchi), die mit der Arie "O, mio babbino caro" immerhin das Privileg hatte, eine der berühmtesten und beliebtesten Arien Puccinis vortragen zu dürfen, die auf keinem Best of Puccini-Sampler fehlen darf und die das bekannteste Stück des gesamten Opernabends darstellt – auch in der Kölner Vorstellung war es ein großer, Gänsehaut erzeugender Moment, an dem diese so typisch nach Puccini klingende, wunderschöne Arie erklang!

Die sängerische wie darstellerische Krone des Abends gehörte aber definitiv Jacquelyn Wagner in der Titelrolle von Suor Angelica: Wie sie diese intensive Rolle gestaltete und mit Leben füllte, dabei stimmlich stets präsent und ausgesprochen klangschön rüberkam und trotz des doch recht tränendrüsigen, tragischen Endes ihrer Bühnenfigur nie die drohende Grenze zum Kitsch überschritt, das war ganz großes Theater! Wirklich hervorragend!

Im Vergleich zur Kölner Inszenierung von Il trittico von vor knapp 14 Jahren muss ich sagen, dass mir – nicht zuletzt wegen der überragenden Titeldarstellerin - die Suor Angelica in der aktuellen Produktion deutlich besser gefallen hat, während ich den Gianni Schicchi von damals als amüsanter und noch etwas spritziger in Erinnerung habe, obwohl auch bei der aktuellen Inszenierung in puncto schwarzem Humor und turbulentem Ensemblespiel eigentlich keine Wünsche offen geblieben sind.

Die Produktion lief während des gesamten Monats Mai (Premiere war am 9.05., die von mir besuchte, zu gut 80% ausgelastete Vorstellung war am 17.05.), weitere Details, Fotos, etc. siehe hier. Außerdem verweise ich gern auch auf die gut und ausführlich geschriebene Rezension des Online Musik Magazins.

Alles in allem also ein vor allem musikalisch wirklich gelungener Opernabend mit einem unverständlicherweise viel zu selten gespielten, abwechslungsreichen Puccini-Werk, das für mich zu seinen interessantesten gehört!

Mittwoch, 17. Juli 2013

Heute in der Lunch-Time-Orgel

Ich melde mich hiermit aus dem Urlaub zurück und bin froh, dass ich in dieser Woche nach zwei verpassten Konzerten endlich wieder mal die Lunch-Time-Orgel in der Düsseldorfer Johanneskirche besuchen konnte!
Wolfgang Abendroth hatte heute Mittag für uns ein ausgesprochen sommerliches Programm vorbereitet:

J. S. Bach (1685-1750)
Allabreve D-Dur BWV 589

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-47)
aus dem „Sommernachtstraum“
Ouvertüre op. 21
Notturno op. 61 Nr. 6
Hochzeitsmarsch op. 61 Nr. 7


Nach einem virtuosen einleitenden Stück von Johann Sebastian Bach (immerhin eines der ganz großen Vorbilder von Felix Mendelssohn!) bestand der Hauptteil des heutigen Konzerts aus drei Stücken aus dessen Schauspielmusik zu Shakespeares Komödie Ein Sommernachtstraum.
Da diese wohl berühmteste und beliebteste Komposition Mendelssohns eigentlich für Orchester geschrieben wurde, griff Herr Abendroth für das heutige Konzert auf drei verschiedene Bearbeitungen für die Orgel zurück:
Die geniale Ouvertüre, die Mendelssohn bereits als 17-Jähriger komponierte, hatte sich Herr Abendroth gleich selber vorgenommen und eine raffinierte Übertragung der vielfältigen Stimmen (und Stimmungen), die das Orchester im Verlauf der gut 10-minütigen Ouvertüre hervorbringt, in den Klangkosmos der Orgel zustande gebracht!
Er spielte die Ouvertüre in einem zügigen Tempo, was ich als sehr passend für dieses turbulente Stück empfand.
Das ruhige Notturno erklang in einer Orgelversion eines dänischen Organisten namens Frederiksen (nähere Angaben zu diesem Musiker machte Herr Abendroth im Rahmen seiner kurzen Konzerteinführung zu Beginn nicht).
Der weltberühmte Hochzeitsmarsch, seit Jahrzehnten ein unverzichtbarer und unverwüstlicher Klassiker bei Hochzeiten aller Art, erklang in der sicher weitverbreiteten und damit wohl auch am häufigsten gespielten Orgelfassung des französischen Komponisten und Organisten Théodore Dubois (1837-1924), von dem wir in der Vergangenheit im Konzert auch immer mal wieder eigene Kompositionen zu hören bekommen haben.
Herr Abendroth lag sicher richtig mit seiner Vermutung, dass viele Leute diesen Marsch für eine „echte“ Orgelkomposition halten und gar nicht wissen, dass es sich hierbei eigentlich um ein Orchesterstück aus einer Schauspielmusik für ein Shakespeare-Stück handelt.
Im heutigen Konzert erklang dieser Marsch (der sich aber auch wirklich perfekt für eine Wiedergabe auf einer großen Orgel eignet!) in eher breitem, gravitätischen Tempo, was ich persönlich nicht ganz so optimal fand – ich kenne deutlich schneller gespielte Interpretationen des Hochzeitsmarsches, die mir besser gefallen, weil das Stück damit einen fröhlichen Schwung bekommt, der gut zur heiter-beschwingten Stimmung einer Hochzeit passt (die Melodien in diesem Marsch haben für mich einen solchen Charakter und verlieren etwas, wenn man das Ganze zu feierlich und majestätisch werden lässt).
Nun gut, das ist meine persönliche Meinung – trotzdem war es schön, diese herrliche Musik heute live dargeboten zu bekommen, ideal passend zum wunderschönen Sommerwetter draußen!

Mittwoch, 26. Juni 2013

Heute (und vergangene Woche) in der Lunch-Time-Orgel

Im Moment komme ich irgendwie nicht hinterher: Letzte Woche Mittwoch (19. Juni) war ich zwar wie üblich bei der Lunch-Time-Orgel zu Gast, musste aber direkt danach dienstlich verreisen, so dass ich keine Zeit hatte, hier wie üblich an dieser Stelle über das Konzert zu berichten. Daher hole ich das jetzt einfach mal in dieser Woche im Rahmen einer „Doppelausgabe“ nach…

Vergangenen Mittwoch spielte Udo Flaskamp als Gastorganist das Konzert für uns. Er ist Leiter für die Bereiche Kommunikation und Marketing in der Düsseldorfer Tonhalle, hat aber in Köln auch Kirchenmusik studiert und ist überdies seit mehreren Jahren als ehrenamtlicher Organist der evangelischen Kirchengemeinde in Dormagen und Zons tätig.

Er hatte uns dann auch konsequenterweise ein Programm mitgebracht, das er im Rahmen seiner kurzen Programmeinführung als „klassisch-protestantisch“ bezeichnete:

J. S. Bach (1685-1750)
Präludium und Fuge c-moll
Canzona in D-Dur
Toccata und Fuge d-moll BWV 565

Max Reger (1873-1916)
aus den „12 Stücken für die Orgel“ op. 59
Nr. 1 Präludium in e-moll
Nr. 11 Melodia
Nr. 5 Toccata in d-moll
Nr. 6 Fuge in D-Dur


Die Gegenüberstellung von Bach und Reger (der immerhin der Orgelmusik im deutschsprachigen Raum zu Beginn des 20. Jahrhunderts ganz entscheidende Impulse für ihre weitere Entwicklung gab!) ist tatsächlich immer wieder ein aufschlussreiches Thema für Orgelkonzerte – man merkt deutlich den Einfluss, den Bach auf Max Reger ausübte und kann zugleich gut nachvollziehen, dass er dennoch konsequent seinen eigenen Weg verfolgt hat.

Das umfangreiche Programm der letzten Woche führte dazu, dass das Mittagskonzert statt wie üblich eine gute halbe Stunde diesmal sogar fast 45 Minuten dauerte – eine zeitliche „Zugabe“, die es so häufig bislang auch noch nicht gegeben hat…

Schade fand ich die Tatsache, dass unser Organist die beiden berühmten Toccaten (nebst den darauffolgenden Fugen) in einem derart atemberaubenden Tempo „durchpeitschte“, wie ich es bislang auch noch nicht gehört habe!
Das war sicherlich in höchstem und respektgebietenden Maße virtuos, denn es war an keiner Stelle zu vernehmen, dass der Vortragende dabei „aus der Kurve gefallen“ wäre, aber die vielen schönen Stellen, an denen man die Dramatik (und die interessante Harmonik) sicher besser dadurch rübergebracht hätte, wenn man ab und an mal das Tempo etwas gedrosselt oder gar durch ein raffiniert eingesetztes Ritardando/ Ritenuto die dramaturgische Spannung weiter angefeuert hätte, gingen so leider im rasanten Strom der Töne völlig unter!
Ich habe keine Ahnung, warum es bei diesen Stücken derart schnell gehen musste, vielleicht fürchtete unser Organist, dass das Konzert sonst noch länger ausgefallen wäre, als es eh schon war? Schade, aber ansonsten wieder mal eine gelungene Orgelmittagspause der besonderen Art!


Im heutigen Mittagskonzert konnten wir Wolfgang Abendroth dank des mobilen Orgelspieltisches wieder mal bei seiner Arbeit beobachten. Dieser war heute schräg vor den Kirchenbänken positioniert und so konnten wir Zuhörer unseren Organisten im Profil beim Bedienen der zahlreichen Manuale und Pedale mit folgendem Programm erleben:

J. S. Bach (1685-1750)
Partita “O Gott, du frommer Gott“ BWV 767
in neun Sätzen

Sigfrid Karg-Elert (1877-1933)
Choralvorspiel “O Gott, du frommer Gott“ op. 65 Nr. 45

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-47)
Präludium und Fuge in d-moll op. 37 Nr. 3


Der Schwerpunkt dieses Konzerts lag auf dem aktuellen Wochenlied, dem Choral “O Gott, du frommer Gott“, der in einer älteren Melodie (die in der Partita von Bach verarbeitet wurde) und einer jüngeren Melodie (als Grundlage des meditativen, kanonartig aufgebauten Vorspiels aus der umfangreichen Sammlung des Opus 65 von Sigfrid Karg-Elert) vorliegt.

Zum Abschluss gab es mit dem in düster-dramatischen d-moll daherkommenden Präludium und Fugen-Doppel von Mendelssohn dann noch einen Orgelklassiker des frühen 19. Jahrhunderts, der sich unverkennbar an den großen Bach’schen Vorbildern orientiert und dennoch nicht bloß stumpfsinnig nachgeahmt barock klingt.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Heute in der Lunch-Time-Orgel

Wolfgang Abendroth spielte heute Mittag für uns französische Orgelmusik aus dem Barock und dem 19. Jahrhundert:

Nicolas de Grigny (1672-1703)
Offertoire
Dialogue de flûtes pur l‘Elevation
Dialogue pour la Communion

César Franck (1822-90)
Petit Offertoire

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-69)
Offertoire a-moll
Offertoire F-Dur


Die heute gespielten Kompositionen entstanden sämtlich zu liturgischen Zwecken und erklangen während der katholischen Messe an den in ihren jeweiligen Titeln erwähnten Stellen und dienten zur Untermalung der liturgischen Handlung. Gerade für das Offertorium (die Gabenbereitung, die der Eucharistiefeier - also dem Abendmahl - vorangeht) entstanden hier im Laufe der Zeit die oft umfangreichsten Musikstücke, da dies traditionell der Punkt innerhalb der Messe war, an dem ein längerer Zeitraum musikalisch überbrückt werden musste.

So bekamen wir heute – neben zwei kürzeren Stücken, die nach der Wandlung und zur Kommunion gespielt werden sollen – dann auch gleich vier Offertoriumsmusiken zu hören:
Neben der festlichen und klangprächtigen Komposition aus dem Barock von Nicolas de Grigny ein eher zurückgenommenes, fast schon traurig anmutendes Offertorium von César Franck und schließlich die beiden virtuosen Offertorien von Lefébure-Wély, die in seinem typischen Stil komponiert wurden:
Seine Orgelkompositionen (wohlgemerkt auch explizit die für die Messe vorgesehenen) zeichnen sich fast alle durch ein deutlich am Stil der zu seiner Zeit populären Opernmusik orientierten Klangideal aus.
Dies wurde von seinen damaligen Zuhörern nicht etwa kritisiert, sondern geradezu erwartet und machte ihn zu einem ausgesprochen populären Organisten und Komponisten!
Das verwöhnte Pariser Publikum schätzte es offenbar außerordentlich, auch während des Kirchgangs von populärer, ja schmissiger Musik der aktuellsten Mode unterhalten zu werden, daran nahm seinerzeit offenbar niemand Anstoß - das wäre auch ein interessantes Argument für diejenigen, die in der heutigen Zeit auch für mehr moderne Musik im Gottesdienst eintreten! Für unsere heutigen Ohren klingen beispielsweise einige der Sorties (also die Musik, die am Ende des Gottesdienstes zum Auszug gespielt wird) von Lefébure-Wély eher wie Musik für eine Jahrmarktsorgel, aber die Geschmäcker ändern sich halt und die Kirchgänger damals liebten diese schwungvollen „Rausschmeißer“ ganz offensichtlich.
So überraschte es dann auch nicht, dass auch die beiden heute zu hörenden schwungvollen Offertoires eher an Opernouvertüren oder dergleichen erinnerten – und so gar nichts Kirchliches an sich zu haben schienen, aber warum auch nicht?
Effektvolle (und überaus hörenswerte) Musik bleibt es ja trotzdem und der immer wieder geäußerte Vorwurf, dass irgendein Musikstück nicht kirchlich genug klingen würde, zieht sich durch mehrere Jahrhunderte der Musikgeschichte – das ist so gesehen also auch nichts Besonderes… ;-)

Mittwoch, 5. Juni 2013

Heute in der Lunch-Time-Orgel

Drei Stücke aus dem 20. Jahrhundert, die „nach alter Väter Sitte“ auf Choralmelodien basieren, spielte Wolfgang Abendroth heute Mittag für uns. Den mobilen Orgelspieltisch hatte er diesmal zur Abwechslung so platziert, dass wir seine virtuose „Beinarbeit“ auf den Pedalen quasi in Profilansicht sehr gut beobachten konnten (und da gab es heute wirklich einiges zu tun!).

Hermann Schröder (1904-84)
Choralbearbeitung “Nun bitten wir den Heiligen Geist“
Choralbearbeitung “Schönster Herr Jesu”

Sigfrid Karg-Elert (1877-1933)
Symphonischer Choral “Jesu, meine Freude“ op. 87 Nr. 2
1. Introduzione (Inferno)
2. Canzone
3. Fuga con Corale


Zunächst erklangen zwei kürzere Choralbearbeitungen des Kölner Organisten, Komponisten und Professor an der dortigen Musikhochschule Hermann Schröder. Hier fand ich besonders die zweite mit ihrem lyrischen Charakter sehr gelungen.

Sodann folgte der große, dreiteilige Symphonische Choral von Sigfrid Karg-Elert, von dem schon länger keine Komposition mehr auf dem Programm gestanden hatte.

Nach einem streckenweise wild-virtuosen und zerrissen wirkenden ersten Satz folgte die sehr sangliche Canzone (deswegen wohl die Wahl dieser Satzbezeichnung) mit weit ausgeschwungener Melodiestimme – sehr schön! Wie uns Herr Abendroth im Rahmen seiner kurzen Konzerteinführung versicherte, hat der Komponist die titelgebende Choralmelodie auch in diesen Satz eingearbeitet, auch wenn sie – im Gegensatz zu den beiden Ecksätzen – hier für den Zuhörer nicht zu erkennen ist.
Unmittelbar und ohne Übergang folgte dann der dritte Satz, der zunächst mit einem markanten, bewegten Fugenthema beginnt, das nichts mit der bekannten Choralmelodie zu tun hat, mit dieser im Verlauf des Satzes dann aber raffiniert kombiniert und verschränkt wird.
Zum Schluss wird die Choralmelodie dann – immer wieder von virtuosen Einwürfen unterbrochen – in Gänze zitiert, gewaltig in ihrer Klangpracht und üppig spätromantisch in der Entwicklung der hierbei verwendeten Harmonien. Ein toller Abschluss, wie man ihn von einem Komponisten wie Karg-Elert aber auch nicht anders erwartet hätte!

Dienstag, 4. Juni 2013

Fundstück der Woche

“Boah, kumma Alter, voll krass: Da gibt’s HEAVY CLASSIX von WAGNER!“
“Kenn‘ isch – der macht ’ne endgeile Mucke, voll der fette Sound, ey! Bei dem geht’s immer voll ab!“
“Jo – und der hat ’ne geile Stimme…!“

So oder so ähnlich könnte sich das anhören, wenn die Marketingstrategie der Deutsche Grammophon so aufgeht, wie man sich das dort mit dem neusten Beitrag zum Wagner-Jahr offenbar vorstellt:

Dieses ganz offensichtlich auf eine Zielgruppe von 15 - 30-jährigen Käufern zugeschnittene „Best of Wagner“ im energetischen Metallik-Look (so der begleitende Werbetext) bietet in seiner Zusammenstellung zwar jetzt nicht wirklich große Überraschungen (warum sollte es auch?); die auf den 2 CDs vertretenen Stücke enthalten immerhin viel Orchestermusik und etwas Gesang, wie es dann weiter in der offiziellen Produktbeschreibung fast schon ein bisschen verschämt-entschuldigend heißt…
Etwas Gesang wird der geneigte (angehende) Wagner-Fan wohl ertragen können und müssen, denn sonst lernt man den Bayreuther Meister ja nun wirklich nicht in Gänze kennen – und so gibt es eben auch ein bissel Liebestod, Brautchor und ein paar Ausschnitte aus dem Ring in vokaler Form neben zahlreichen Ouvertüren, Siegfried-Idyll und bekannten Orchesterszenen aus den Opern, dargeboten von den üblichen Verdächtigen (Böhm, v. Karajan, Nilsson, etc.) aus den Klangarchiven der Deutsche Grammophon, was an sich ja so schlecht nicht ist, wobei sich natürlich die Frage stellt, ob man eine jüngere Zielgruppe nicht viel eher mit (wenigstens einigermaßen) jungen Interpreten von heute hätte begeistern können, aber eine solche Neuaufnahme hätte ja wieder viel zu viel Geld gekostet – und wozu hat man schließlich Archive…?

Obligatorisch für die heutige Zeit dann auch der unvermeidliche Hinweis im Werbetext, in welchen Filmen allein der berühmte Walkürenritt schon Teil des Soundtracks war - wobei sich allerdings die Frage stellt, ob jüngere Käufer erwähnte Filme wie Fellinis Achteinhalb (1963) oder Apocalypse Now (1979) überhaupt noch kennen?
Daher wird sicherheitshalber auch gleich noch hinzugefügt, dass diese Musik ja auch noch in unzähligen Videospielen, bei den Simpsons (und weiteren Serien) und natürlich auch in der TV-Werbung eingesetzt wurde. Was andernorts eher wie ein Vorwurf aufgefasst werden könnte, wirkt in diesem Umfeld irgendwie gleich wie ein Ritterschlag: „Wagners Mucke in der Werbung? Na, dann kann die ja so schlecht nicht sein!“ Oh, Mann…

Wagner – Heavy Classix macht den Einstieg in Wagners Universum spielend leicht - dieser Slogan klingt wie eine Mischung aus Gebrauchsanweisung und Beschwichtigungsversuch ("Sooo schlimm isses doch gar nicht!") für unverständlicherweise nach all diesen Verheißungen immer noch Zögernde...

Naja, ob man mit diesem flott designten Produkt tatsächlich die angepeilte Zielgruppe erreichen und mit der zusammengestellten Musik dann sogar begeistern wird? Skepsis sei mehr als angebracht.
Immerhin – die gelegentlich zu beobachtenden Versuche, sich mehr oder (meistens eher) weniger gelungen mit „aufgemotzten“ Produkten wie diesem an ein junges Publikum ranzuschmeißen (oder anzubiedern), haben meist etwas rührend Naives und/ oder unfreiwillig Komisches an sich. Es ist halt ein Problem, wenn die so verpackte Ware nicht wirklich den Nimbus "hip und trendy" besitzt - muss man das Ganze denn dann trotzdem verkrampft bis verzweifelt dermaßen albern aufpeppen?

Mich würde wirklich mal interessieren, ob eine Strategie wie diese auch nur im Ansatz aufgeht und die gewünschte Käufergruppe hier tatsächlich mal spontan zugreift um sich auch mal mit klassischer Musik zu versorgen???
Aber das wird man wohl leider nie erfahren…

Immerhin – für ein Schmunzeln und diesen Beitrag war das Ganze auf jeden Fall gut.