Donnerstag, 6. November 2014

Adolphe Sax -200. Geburtstag

Heute möchte ich an dieser Stelle zur Abwechslung mal keinen Komponisten würdigen, sondern an einen berühmten Instrumentenbauer erinnern, dessen Name zwar mit Sicherheit jeder kennt, von dem aber wohl nur die Wenigsten Näheres wissen dürften:

Heute vor genau 200 Jahren wurde nämlich der Instrumentenbauer Adolphe Sax im belgischen Dinant geboren.

Mit der Abbildung auf dem alten 200 Franc-Schein ehrte Belgien seinen berühmten Sohn


Wie wohl die meisten Belgier mit französisch klingendem Namen dürfte er von den meisten Leuten zunächst mal für einen Franzosen gehalten werden (eigentlich logisch, von denen gibt's ja auch eine ganze Menge mehr!), an dieser Stelle möchte ich nur an einen gewissen Hercule Poirot erinnern, der auch immer mit diesem "Problem" zu kämpfen hatte ;-)

Aber auch Monsieur Sax war tatsächlich Belgier, auch wenn er ab 1842 in Paris lebte und arbeitete (aber wer tat dies im 19. Jahrhundert nicht - an der "Hauptstadt des 19. Jahrhunderts" kam man seinerzeit halt einfach nicht vorbei...?) und am 7. Februar 1894 dort im Alter von 79 Jahren verstarb.

Geprägt durch seinen Vater, der in Brüssel ebenfalls als Instrumentenbauer tätig war, begann auch der junge Adolphe nach einem Studium am Brüsseler Konservatorium (u. a. Gesang, Flöte und Klarinette) sich im Metier des Instrumentenbaus zu betätigen.

Er scheint dafür genau die richtige Mischung aus Tüftlermentalität und Musikalität besessen zu haben (für einen Instrumentenbauer erscheint es mir unerlässlich, dass er auch in der praktischen Ausübung etwas von seinen Instrumenten versteht!), so dass er schon bald einige Erfolge aufweisen konnte: Er verbesserte die Technik seines offenkundigen Lieblingsinstruments, der Klarinette - da gab es seinerzeit sicherlich einiges zu optimieren, man denke nur an die ausgefeilte Klappentechnik, die es dem Spieler erleichtern soll, die Grifflöcher beim Spielen optimal erreichen und bedienen zu können!

Auf der Basis der Klarinette basiert dann auch das Instrument, das Adolphe Sax völlig neu entwickelt hat und das bis heute seinen Namen trägt: Das Saxophon.
Schon das Mundstück mit dem Rohrblatt ist mit dem der Klarinette identisch und die Anordnung der Grifflöcher bzw. der Klappen zum Verschließen derselben ist es auch. Das führt dazu, dass ein Klarinettenspieler quasi mühelos (rein spieltechnisch gesehen) sein Instrument gegen ein Saxophon austauschen und mit diesem weiterspielen kann.

Mit seiner Neuentwicklung ging Sax nach Paris und machte dort bald Furore, da verschiedene Musiker und Komponisten (z. B. der als experimentierfreudiger "Klangmagier" bekannte Hector Berlioz) auf das neue Instrument aufmerksam wurden und seinen interessanten, neuartigen Klang, der reizvoll irgendwo zwischen Holz- und Blechblasinstrument changiert, schätzen lernten.

Findig und geschäftstüchtig wie Sax war, entwickelte er gleich eine ganze Saxophon-Familie, also Instrumente in allen Größen (und damit Stimmlagen) - vom Sopran-Saxophon bis zum Bass-Sax war alles vertreten, so dass ganze Ensembles, die nur aus Saxophonen bestehen, miteinander Musik machen können!

Interessanterweise fand das Saxophon zunächst hauptsächlich in französischen Militärkapellen Verwendung - daran denkt man eigentlich aus heutiger Sicht ja nun nicht unbedingt sofort als Erstes, wenn man sich das Stichwort "Saxophon" ins Gedächtnis ruft...

Sax ließ sich seine Erfindung natürlich patentieren und da er - neben einer zeitweiligen Tätigkeit als Lehrer für sein Instrument am berühmten Pariser Konservatorium - auch noch als Direktor des Bühnenorchesters der Pariser Oper tätig war, erstaunt es nicht, dass sein Saxophon auch bald in der Orchestermusik seiner komponierenden Zeitgenossen (verständlicherweise natürlich zunächst der französischen) Verwendung fand.

So erklingt beispielsweise in der Oper Hamlet von Ambroise Thomas ein Saxophon an prominenter Stelle (quasi als besonderer Klangeffekt) - wobei ich allein die Vorstellung der Kombination "Hamlet - Saxophon" schon sehr apart (und ungewöhnlich) finde ;-)

Auch andere Komponisten späterer Generationen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonderen Wert auf neue und ungewohnte Klangeffekte legten, wie z. B. Claude Debussy oder Maurice Ravel, liebten den Klang des Saxophons im Orchester sehr.
Eine der bekanntesten Stellen für "klassisches" Saxophon dürfte wohl das Solo in Maurice Ravels Orchesterversion von Modest Mussorgskys Zyklus Bilder einer Ausstellung sein - im 2. Bild Das alte Schloss trägt es die weit geschwungene, sehnsüchtige Melodie vor und es entsteht durch  den charakteristischen Klang ein ganz wunderbarer Effekt, den Ravel hier ganz meisterhaft hervorzurufen verstanden hat!

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es dann auch, dass die in den USA plötzlich wie Pilze aus dem Boden schießenden Jazz-Kapellen das Saxophon für sich entdeckten und dessen Fähigkeit, neben einem "anständigen" und sauberen Ton auch so unglaublich aufreizend-freche, rauhe und "dreckige" Töne zu produzieren!
Genau dieser typische Sound ist es, den man heute vor allem sofort mit dem Saxophon verbindet - das Instrument ist halt sehr vielseitig und fasziniert mit diesen beiden so unterschiedlich klingenden Gesichtern!

Kein Wunder, dass das Saxophon vom Jazz aus kommend seinen festen Platz in Bigbands und in der Pop- und Rockmusik gefunden hat, wo es bis heute nicht wegzudenken ist!



Empfehlen möchte ich - weil heute eben leider etwas unbekannter - an dieser Stelle natürlich vor allem ein paar klassische Werke, die für Saxophon und Orchester schwerpunktmäßig in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind: Kompositionen etwa von Debussy, Heitor Villa-Lobos, Darius Milhaud oder Jacques Ibert.


Aber auch moderne Saxophon-Ensembles lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen:



Seien es etwa mit großer Spielfreude (und verblüffenden Klangergebnissen) präsentierte Klassiker wie z. B. Bachs Kunst der Fuge (das funktioniert erstaunlich gut - Johann Sebastian wäre bestimmt sehr angetan gewesen!)

Das kleine aber feine Label TYXArt hat diese gelungene Zusammenstellung von Fugen (vom Barock bis ins 20. Jahrhundert) mit dem Dt. Saxophon Ensemble im Programm 

oder verjazzte Versionen altbekannter Hits wie Vivaldis Vier Jahreszeiten (z. B. in der Version des famosen Quintessence Saxophone Quintet) - der großartigen Erfindung von Adolphe Sax sind - auch im Bereich der Klassik - scheinbar kaum Grenzen gesetzt!

Kommentare:

  1. Sehr schooner Blog. ich hoffe, er schläft icht ein, es gibt wirklich zuwenig gute Blogs auf diesem Gebiet, insbesonders wenn man nicht nur nach CD-Rezensionen sucht, die vermutlich likrativer für die Blogger sind. Ich hab Dich jedenfalls in meine Blogroll bei http://froekensvariationen.blogspot.de/ aufgenommen! Gruß und weiter so!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. lukrativer sollte das heißen...sorry :D

      Löschen
  2. Was für ein wunderbares Blog! Wie schön, so etwas zu finden! Ich hoffe, es geht noch lange weiter hier.

    AntwortenLöschen